Das härteste Radrennen der Welt ist nichts für schwache Muskeln! Nach 5.000 km und 52.000 Höhenmetern brennen hier nicht nur die Oberschenkel, auch die Nerven liegen blank. Immer weiter, höher, schneller geht das „Race Across America“ im Juni in eine neue Runde. Mit dabei: Uni-Professor Dr. Kurt Matzler, eigentlich ein ganz normaler Typ…

Über drei große Bergketten, vier der längsten Flüsse Amerikas und quer durch 12 Bundesstaaten führt das „Race Across America“ (RAAM), von der Westküste bis zur Ostküste der Vereinigten Staaten. Das Ultra-Rad-Rennen gilt mit seinen rund 5.000 Kilometer und 52.000 Höhenmeter als das härteste Radrennen der Welt. Vom 11. bis 23. Juni 2019 können sich Amateure, Profis, Einzel- und Staffelfahrer messen. Die Teamfahrer haben für die Streckenbewältigung maximal neun Tage Zeit, die Einzelfahrer zwölf Tage. Das Non-Stop-Rennen wird rund um die Uhr gefahren – und das für den guten Zweck! Die Radfahrer sammeln mit ihren gefahrenen Kilometern Geld, das gespendet wird.

Extremsituationen kann man nicht üben

Für passionierte Rennradfahrer ist das „Race Across America“ das große Rennen schlechthin. Für Prof. Dr. Kurt Matzler, Professor für Betriebswirtschaft an der SoWi in Innsbruck, ist es eine gewaltige Herausforderung, aber auch er verbindet es mit einem „großen Spendenprojekt zur Ausrottung der Kinderlähmung“. In seiner Freizeit lebt er nicht nur für das Radfahren, sondern auch für das Skitourengehen, Langlaufen „und guten Wein“, scherzt er. Der fast 50-Jährige wird heuer zum vierten Mal in Amerika an den Start gehen. Aber nicht alleine. Sein 4er-Team startet unter dem Namen „Team Rotary RAAMs Polio“ und es ist wahrlich ein fahrender Multi-Kulti-Mix. Im Team sind: Der Amerikaner Bob, der Osttiroler Markus und Kurt Matzler selbst und seine Frau Ruth. „Außerdem haben wir 14 Personen, die uns mit Begleitfahrzeugen beistehen, ohne sie wäre es kaum möglich“, erzählt Kurt. „Jeder von uns verbraucht während des Rennens pro Tag rund 5000 bis 6000 Kalorien.“ Diese wieder aufzunehmen ist gar nicht so einfach. Dank seiner Begleitmannschaft ist er auch hier optimal versorgt. Unterstützt wird das Team nicht nur von Freunden und Fans, sondern auch von ZANIER, die das Team mit eigenen Radhandschuhen ausstatten.

Zum vierten Start betont Kurt: „Wir starten heuer als Titelverteidiger und Rekordhalter.“ Letztes Jahr brauchte das Team für die Strecke „6 Tage, 18 Stunden und 4 Minuten. Aber für uns steht dennoch das Spendenprojekt im Vordergrund“, so Kurt.

Um auch in diesem Jahr bestens auf das Rennen vorbereitet zu sein, trainiert Kurt rund 12.000 Kilometer pro Jahr. „Die größte Herausforderung ist die Hitze, denn in der Wüste kann es bis zu 50 Grad heiß werden. Wir schlafen maximal drei Stunden pro Tag, fahren bei Tag und Nacht. Solche Extremsituationen kann man nicht wirklich im Vorhinein trainieren. Man muss in guter physischer Verfassung sein, um das Rennen überhaupt zu meistern“, sagt er.

Es entscheidet der Kopf.

Dein stärkster Gegner: Der eigene Kopf!

Um das härteste Radrennen der Welt überhaupt durchzuhalten, braucht man starke Muskeln – und manchmal eine noch stärkere Psyche: „Es entscheidet der Kopf. Durchhaltevermögen und physische Voraussetzung sind natürlich auch ein Muss. Und ein gutes Team sowie eine super Begleitmannschaft. Aber letztendlich entscheidet den Großteil der Kopf.“

Und nach dem Rennen ist vor dem Rennen? Beinahe ja. Denn Kurt gönnt sich nicht viel Zeit für eine Pause. Er und sein Team haben einen Tag vor Ort, um Mietautos und Leihmaterial zurück zu bringen, dann geht es schon wieder mit dem Flieger ab nach Hause. „Die Regeneration setzt im Flugzeug ein. Dann habe ich endlich Zeit zum Schlafen“, scherzt er, „bevor es zu Hause gleich wieder an die Arbeit geht“. Ein ganz schönes Tempo, was der Herr Professor da vorgibt. Aber was hätten wir anderes erwartet, von einem Rennradfahrer, der in weniger als neun Tagen rund 5.000 Kilometer abspult?