Richtig gute Kletterer sind Kopfkünstler: Ihre mentale Stärke bringt sie nach ganz oben. Doch in letzter Zeit trauen sich auch immer mehr Hobbykletterer in die Höhe. Vom Bouldern bis zum Free Climbing, in der Halle oder der Wand: Der Klettersport im Alpenraum boomt! Wie gut kennt ihr euch aus?

©Martin Lugger für ZANIER

A – wie Alpinklettern

Alpinkletterer haben ein Ziel: den Gipfel! Diese Form des Kletterns erfordert es, über mehrere Seillängen den Fels hinaufzuklettern. Alpine Klettertouren können frei, technisch, clean oder Free-Solo begangen werden. Frei heißt, dass Kletterhaken lediglich zum Sichern, nicht aber zum Fortbewegen dienen. Technisch meint, dass sämtliche Hilfsmittel zum Klettern benutzt werden dürfen. Clean heißt, dass der Kletterer alle für sich notwendigen Sicherungen selbst anbringt und wieder abnimmt. Und Free-Solo ist das Klettern ganz ohne Sicherung.

B – wie Bouldern

Wer bouldert, der klettert frei, also ohne Seil und ohne Klettergurt. Boulderer können Felsblöcke- oder Wände und angelegte Kletterwände (zum Beispiel in der Kletterhalle) nutzen. Sie begeben sich dabei nur in eine Höhe, von der sie noch ohne Verletzungsgefahr abspringen können. Bouldern hat sich seit den 70er Jahren zu einer eigenen Disziplin im Sportklettern entwickelt. Seit 2001 werden Weltmeisterschaften im Bouldern ausgetragen.

C – wie Cerro Torre

Wer sich im Klettersport ein wenig auskennen möchte, sollte vom Cerro Torre gehört haben. Der über 3000 Meter hohe Berg ist bei Extrembergsteigern als richtig harter Brocken umschrieben, aber zugleich auch als einer der schönsten Gipfel weltweit. Der Cerro Torre befindet sich im Nationalpark an der Grenze zwischen Argentinien und Chile. Wegen seiner glatten Granitwände und den extremen Wetterverhältnissen, gilt er als äußerst schwierig zu besteigen. Im Januar 2012 schafften es der Österreicher David Lama und sein Partner Peter Ortner in 24 Stunden als Erste, den Cerro Torre entlang der Kompressorroute frei zu begehen.

D – wie David Lama

Ausnahmetalent David Lama wurde nur 28 Jahre alt – dennoch gilt er als einer der weltbesten Sportkletterer und Alpinisten. Der gebürtige Innsbrucker starb im April 2019 im kanadischen Banff-Nationalpark bei einem tragischen Lawinenunglück. David Lamas Talent zum Klettern wurde mit fünf Jahren erkannt und er gewann schon in jungen Jahren zahlreiche Weltcups und Meisterschaften.

Klettern ist viel mehr als nur ein Sport. Draußen sein in der Natur, am Fels, das ist eine Lebenseinstellung.

David Lama

E – wie Eisklettern

Ausgerüstet mit Steigeisen und Eispickel bewegen sich Eiskletterer zum Beispiel an gefrorenen Wasserfällen oder Eiszapfen hinauf. Die spezielle Disziplin erfordert sämtliches Wissen des alpinen Kletterns.

F – wie Free Climbing

Free Climbing oder Freiklettern meint das Klettern an der Felswand oder an künstlich angelegten Wänden. Wer frei klettert, benutzt ausschließlich seine Hände und Füße. Seil und Haken dürfen zur Sicherheit verwendet werden, aber nicht als Steig- oder Tritthilfe. Einzige Ausnahme ist das Free-Soloklettern, bei der die Route tatsächlich komplett ohne jegliche Hilfs- oder Sicherungsmittel durchstiegen wird.

G – wie Grundregeln

Jeder (Hobby)-Kletterer sollte gewisse Grundregeln des Kletterns kennen: Ausrüstung richtig benutzen können, aufwärmen, Seilenden immer verknoten, Partner kontrollieren, auf Sicherung achten, klare Kommandos und Seilverlauf kennen, Vorsicht beim Abseilen, übereinander klettern ist verboten, Helm auf, Umwelt respektieren.

H – wie Halle

Wer mit dem Klettern anfangen möchte, sollte nicht sofort raus an die Felswand gehen. Anfänger sollten sich unbedingt zu einem Kletterkurs in einer Kletterhalle anmelde. Hier erklärt ein Experte die Grundregeln, richtiges Verhalten und Ausführung des Sports.

I – wie Intuition

Beim Klettern gilt es nicht, der Schnellste oder Mutigste zu sein. Kletterer hören auf sich, ihren Kopf und ihren Körper. Wer zu viel riskiert, verliert, daher brauchen Kletterer neben körperlicher Fitness und mentaler Stärke auch eine gute Intuition, die ihnen sagt, wie weit sie gehen können und wie viel sie sich selbst zutrauen.

J – wie Jause

Klettern ist kräftezehrend, Kletterer brauchen Energie. Die tanken sie am besten mit einem Mix aus Kohlehydrate und Proteinen. Zum Snacken eigenen sich Nüsse, Trockenfrüchte sowie Energie- oder Müsliriegel, die nicht zu viel Zucker enthalten, recht gut.

K – wie Klettersteig

Im Italienischen heißt der Klettersteig „Via Ferrata“, was übersetzt „Eisenweg“ heißt. Und so ähnlich kann man sich einen Klettersteig auch vorstellen: Der Weg ist direkt am Fels mit Eisenleitern, Eisenstiften oder ähnlichem versichert, die als Tritthilfe dienen. Zusätzlich angebrachte Stahlseile geben nötigen Griff. Klettersteige bieten auch Nicht-Kletterern die Möglichkeit, sich direkt an der Felswand gesichert zu bewegen. Zum Begehen von Klettersteigen ist ein Klettersteigset notwendig, das aus Klettergurt, Helm und Karabinerhaken besteht. Im Alpinen Raum gibt es mittlerweile über 1000 Klettersteige.

©Martin Lugger für ZANIER

L – wie Landschaft

Wer klettert, kommt hoch hinaus. Sei fokussiert, aber genieße auch mal den Ausblick und die wunderschöne Landschaft.

M – wie Mehrseillänge

Eine Seillänge definiert zum einen die Länge des Kletterseils und zum anderen die vertikale Höhe von beispielsweise 60 Metern (Werte variieren je nach Seiltyp). Mehrere Seillängen sind Mehrseillängen, die je nach Kletterroute mehrere Male nachgeholt werden müssen.

N – wie Notruf

Der Berg-Notruf in Österreich lautet 140. Europaweit könnt ihr auch die 112 wählen.

O – wie oberste Priorität

Respekt an der Wand ist oberste Priorität. Hier sind Mutproben fehl am Platz, genauso wie Unsicherheit oder Angst. Trau dich, wenn du dir sicher bist und weiche zurück, wenn du zweifelst.

P – wie Planung

Kenne deine Route, bereite dich vor!

Q – wie Qualen

Ein Kletterer bezwingt nicht den Berg, sondern das eigene Ich. Er kann sich verletzen oder ermüden, doch nichts belohnt mehr, wie das Glücksgefühl, die Route durchstiegen und die Wand bezwungen zu haben. Daher: Quäle dich nicht, überlege deine Tritte und Griffe gut und plane lieber kleinere Etappen zum Ziel. Belohnt wirst du allemal.

R – wie Rauschzustand

Wer einen Rausch am Berg erleben will, braucht keinen Alkohol: Klettern gibt einen richtigen Adrenalinkick, mit grandioser Nachwirkung und überwältigenden Glücksgefühlen. Versprochen!

S – wie Schwierigkeitsgrad

Die Schwierigkeitsskale sagt aus, wie schwer eine Kletterroute ist. Je nach Art des Kletterns gibt es verschiedene Angaben. Die UIAA-Skala, eine der häufigsten Benennungen, wird in römischen oder arabischen Zahlen und Buchstaben angegeben. Möglich sind nur ganze Zahlen, die auch mit einem „+“ oder „–„ feinabgestimmt werden können. Die französische Skala bewerte in arabischen Ziffern und einem Kleinbuchstaben a, b oder c. Die offiziell schwierigsten Routen liegen aktuell im Bereich XII- (UIAA) und 9b+ (französische Skala).

T – wie trau dich

Beim Klettern ist die Vorsicht Freund und Feind zugleich. Kenne deine Grenzen, aber trau dich auch etwas. Vertraue in deine Beine, entwickele ein Gefühl für einen guten Tritt und einen sicheren Griff. Trau dich.

U – wie UV-Strahlung

Dies gilt besonders für Kletterer in Freien: Schützt eure Haut vor der Sonne! Cremt euch ein. Der UV-Index sagt aus, wie stark die Sonne einstrahlt. Besonders in den Bergen gilt es, je höher man aufsteigt, desto mehr nimmt der UV-Index zu. Ein Richtwert hierzu: Alle 1000 Höhenmeter erhöht sich die Strahlung um 10-20 Prozent.

V – wie Vertrauen

… in den Partner haben. Beim Klettern gilt es, nicht nur sich, sondern auch seinem Partner zu vertrauen, der einen sichert und weiß, wie er mit der Ausrüstung richtig umgeht.

W – wie Wetter

Hobbykletterer sollten unbedingt auf das Wetter achten. Zieht Regen auf, heißt es: Runter vom Felsen. Absolutes Tabu ist das Gehen eines Klettersteiges bei Gewitter, denn die vorangebrachten Stahlseile und Eisentritte ziehen Blitze an.

X – wie x-beliebig

Ordnung ist das halbe Leben! So auch auf dem Berg. Kletterrouten sollten vorher genau geplant werden und jeder Klettere sollte über Beschaffenheit und Schwierigkeitsgrad genauestens Bescheid wissen.

Y – wie Yeees!

Ein Gipfelsieg ist ein grandioses Gefühl. Oben angekommen spürt man die Freiheit. Doch es kann beim Klettern auch schon ein Griff oder eine kurze Route sein, den man geschafft hat. Yeees! Dieses Gefühl möchten wir am liebsten täglich spüren.

Z – wie zum Schluss

Vor dem Klettern: Aufwärmen! Und nach dem Klettern? Abwärmen! Zum Schluss gilt es, den Körper mit Dehnübungen zur Ruhe zu bringen.

©Martin Lugger für ZANIER